[Übersicht der Berichte]
IQ
Live im Starclub Oberhausen, 31.05.97
Man kann ja nicht gerade behaupten, daß IQ sich auftrittstechnisch in deutschen Landen sonderlich rar machen, aber diesmal hat's doch etwas länger gedauert. Ich litt jedenfalls schon deutlich an IQ-Entzug. Also nichts wie hin zum Oberhausener Starclub, der sich in letzter Zeit zu einer Art "Prog-Mekka im Ruhrpott" zu entwickeln scheint.
Wie üblich auf IQ-Konzerten war auch dieses sehr gut besucht, der Parkplatz war zum Einlaß um 20.00 Uhr schon ordentlich gefüllt. Drinnen fand man am Merchandise-Stand das T-Shirt zum sehnlichst erwarteten Doppelkonzeptalbum "Subterrenea" – sie werden doch nicht etwa...? Nein, das wäre nun wirklich etwas zu viel verlangt. Die schnellsten sind sie ja wirklich nicht, die Qualitäten von IQ sind eher anderer Natur. War wohl doch nur einer von diesen kurzen, irrationalen Hoffnungsschimmern... 

Es war ca. 21:30 Uhr, als IQ (ohne Vorband) nach dem obligatorischen Techno-Intro die Bühne betraten. Aber halt, was war das? Dieser Mensch am Mikro kommt mir irgendwie bekannt vor - aber hatte der nicht mal längere Haare?? Ja, er war es tatsächlich... Recht gewöhnungsbedürftig, die neue Haartracht des Herrn N., aber selbst eine derart unauffällige Kurzhaarfrisur kann seinem überwältigenden Charisma kaum Schaden zufügen.

Zu Beginn gab's ein neues Instrumentalstück, das laut Setlist den Titel "New 7/8" trug und –wer wäre jetzt da drauf gekommen – mit einem 7/8 Takt aufwartete. Klang sehr bombastisch und machte wirklich mehr als heiß auf das neue Album, das hoffentlich bald... aber das hatten wir glaube ich schon. Was uns jetzt erst mal erwartete, war ein Querschnitt der gesamten IQ-Schaffensperiode, mit deutlichem Schwerpunkt auf "Ever" (lediglich "Fading Senses" wurde ausgelassen). Wie Peter Nicholls betonte, wird man einen derartigen Set in Zukunft wohl so bald nicht mehr erleben, da auf der nächsten Tour zum allergrößten Teil "Subterrenea" gespielt werden wird. Somit hieß es Lauscher aufgespannt, wer weiß, wann man zum Beispiel das nächste Mal das Vergnügen hat, "The Last Human Gateway" in der Langfassung zu hören! Und dazu noch in einer beeindruckenden Live-Version - eine phantastische Neuinterpretation anno 1997.

Abgesehen von älteren Songs wie "The Wake", "Awake & Nervous", "It All Stops Here" und "Human Nature" (letzteres war für mich ein absoluter Höhepunkt des Abends) und wie erwähnt jede Menge "Ever" gab's auch Varianten von "War heroes" und "Nothing At All". Beides hat man live wohl ziemlich lange nicht gehört, falls überhaupt je mit Peter Nicholls. Und wer bis jetzt noch nicht wußte, daß IQ auch eine gehörige Portion "typisch" britischen Humors mitbringen, der hatte spätestens nach der obligatorischen Fun-Einlage etwas dazugelernt - diesmal mußte Abba mit "Mamma Mia", genial eingeflochten in "Out Of Nowhere", herhalten. Inklusive der entsprechenden Choreographie, versteht sich.

Den Hörgenuß perfekt machten zwei weitere Tracks von "Subterrenea", so daß man wirklich gespannt sein darf, was uns da im Herbst noch so alles erwartet. Der erste Song war die Ballade "Speak My Name", die nur von Martin Orford am Keyboard begleitet wurde. Das zweite Stück hieß – tja, wie eigentlich? Genaugenommen bestand der Titel aus dem langgezogenen Schrei einer Seemöve, von Nicholls eindrucksvoll vorgetragen, wenn auch erst nach einiger Überredung – zuerst wollte er nicht so richtig... Der offizielle Titel (wenn man zu dem Zeitpunkt schon von offiziell sprechen kann) war auf der Setlist mit "All Night Long" angegeben. Ein sehr druckvoller, bombastischer Song, mit einigen Heavy-Gitarren versetzt, und rund 10 Minuten lang. Wenn dieses Stück repräsentativ für "Suberrenea" ist, dann kommt da ein absolutes Hammerteil auf uns zu!

Abschließend gab’s drei Zugaben, wobei sich zuvor als weitere Fun-Einlage ein Großteil der Band unter die Zuschauer gemischt hatte und unter großem Hallo dann von den Zuschauern auf die Bühne zurückgetragen werden mußte. Nach "The Wake" wurden wir noch mit einer erstklassigen Variante von "Headlong" verwöhnt, auch wenn von jenem nunmehr kurzhaarigen Herrn behauptet wurde, daß dieses Stück lange nicht mehr geprobt worden sei, aber was soll’s! Angemerkt hat man dem Song den Übungsmangel jedenfalls nicht.

Das dumme bei solchen Konzerten ist ja immer, daß man einfach nicht genug bekommen kann - so hätte ich mich noch sehr über "Stomach Of Animal" gefreut, aber es sollte wohl nicht sein... Jetzt bleibt uns also nichts anderes übrig, als die Tage bis November zu zählen, wo IQ (vorausgesetzt, sie sprachen von November 1997) uns mit neuer CD im Gepäck erneut die Ehre erweisen wollen. Übrigens steht der Termin für den Release von "Subterrenea" offenbar tatsächlich schon fest (für die CD-Release Party ist – Stand Juni – der 15. September in Bury, England angesetzt). Wer’s glaubt...
Erik Gorissen (01.09.1997)
Weiteres zu IQ:

- Dark Matter (CD-Check)

- Subterranea: The Concert (Live-Doppel-CD) (CD-Check)

- The Seventh House (CD-Check)

- Intelligence Quotient anno 1999 (Interview)

- Dark Matter (Bericht)