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IQ
Dark Matter
Gut Ding braucht Weile: Frontmann Peter Nicholls und seine Freunde von IQ haben sich wieder einmal reichlich Zeit gelassen, aber wie schon des öfteren, entschädigen sie Liebhaber klassischen Progressive Rocks für das lange Warten mit einem neuen Studioalbum, das den Fans sicherlich zusagen dürfte. Vieles spricht dafür, dass Dark Matter, der Nachfolger des 2001 erschienenen The Seventh House, möglicherweise zu den Großtaten der Briten gezählt werden wird. Das Werk kommt im traditionellen und bekannten IQ Stil daher, eingängig konzipiert aber gleichzeitig auch progressiv strukturiert mit einem gewissen Schuss kompositorischer Finesse. 

Interessant ist das Dark Matter-Material unter anderem aufgrund seiner Erzählart - diese erinnert hinsichtlich des strukturellen Aufbaus ein kleines bisschen an den bisherigen Favoriten vieler IQ-Fans, den 19997er-Doppeldecker "Subterranea". Anders als jener Prog- Meilenstein, bei dessen Konzept die Band Cover- und Bookletgestaltung sowie Bühnen-Choreographie in die Handlung einband, greifen die fünf Dark Matter-Kapitel bei gut 52 Minuten Spielzeit in erster Linie dank ihrer leicht düsteren, Verletzlichkeit vermittelnden Atmosphäre ineinander, worauf bereits das Artwork des Covers einstimmt. Diese Atmosphäre verleiht dem Album seinen besonderen Reiz, dessen gesamte Bandbreite sich - bei IQ ohnedies stets zu empfehlen - nach mehrfachem intensiven Hören erschließt.
Aus verwehenden Synthie-Klängen heraus erhebt sich mit Orgelriffs das einstimmende Keyboard-Thema des Openers Sacred Sound, den Gitarrist Mike Holmes und Sänger Peter Nicholls fortentwickeln und zur knapp zwölfminütigen Suite ausbauen. Nachdem das akustisch dominierte Red Dust Shadow eine leichte Verschnaufpause gewährt hat, bietet You Never Will dann Melodiebögen, die man schon bei diversen Subterranea-Tracks gerne gehört hat. Bassist John Jowitt und Schlagwerker Paul Cook bewahren dabei mit solidem Bassfundament und verschachtelter Rhythmusarbeit eine Art "Süße" des Refrains vor allzu seichtem Wohlklang. Ein mit gesampelten Geräuschen versehenes Intro sowie Nicholls' verfremdete Stimme bei Born Brilliant verweisen dann auf die große Zeit klassischen britischen Progressive Rocks, wobei die IQ-typische Eingängigkeit auch hier beibehalten wird. Der lange Atem des Epos The Last Human Gateway vom 1983er IQ-Debüt Tales From The Lush Attic schließlich belebt den gut 24-minütigen Abschluß-Longtrack Harvest Of Souls, dessen Struktur sich dynamisch von zarten Anfängen hin zu Parts steigert, bei denen Mike Holmes' Gitarrenlinien auf Martin Orfords Mellotron-Wände prallen. Trotz aller Dramatik werden aber dabei allerlei hochmelodische Zwischenthemen eingebunden.
Kurzum: mit Dark Matter haben IQ wieder ein sehr gutes Progressive Rock Album abgeliefert, das den Fans der Band bestimmt viel Freude machen dürfte.


Dark Matter Tracklist:

01. Sacred Sound
02. Red Dust Shadow
03. You Never Will
04. Born Brilliant
05. Harvest Of Souls


Discographie:

Tales From The Lush Attic (1983)
Living Proof (1985)
The Wake (1985)
Nomzamo (1987)
Are You Sitting Comfortably? (1989)
J'ai Pollette D'arnu (1991)
Ever (1993)
Forever Live Box Set (1996)
Subterranea (1997)
Forever Live (1998)
The Lost Attic (1999)
Subterranea : The Concert Video (2000)
Subterranea: The Concert (2000)
The Seventh House (2001)
Dark Matter (2004)
Wolfgang Volk (24.06.2004)
Weiteres zu IQ:

- Dark Matter (CD-Check)

- Subterranea: The Concert (Live-Doppel-CD) (CD-Check)

- The Seventh House (CD-Check)

- Intelligence Quotient anno 1999 (Interview)

- Live im Starclub Oberhausen, 31.05.97 (Bericht)