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House Of Spirits
Mit positiver Grundhaltung zurück
Bei der Nennung des Namens HOUSE OF SPIRITS erinnert sich manch alteingesessener Metal Fan unwillkürlich an das Debütalbum Turn Of The Tide, aber die Wurzeln von Olaf Billic und Martin Hirsch reichen weiter zurück bis zum Beginn der 90er Jahre, als die beiden noch unter dem Bandnamen JESTER'S MARCH firmierten und seinerzeit zwei Platten veröffentlichten (Beyond und Acts). Erst dann folgte die Umbenennung in HOUSE OF SPIRITS und der Release von Turn Of The Tide, bei dem übrigens auch Jörg Michael Musielak (STRATOVARIUS, Ex-RUNNING WILD u.v.a.) tatkräftig mitwirkte. Trotz guter Kritiken seitens der Presse und allgemeiner Zustimmung der Fans loderte das neu entfachte Feuer nur für eine kurze Zeit, und HOUSE OF SPIRITS gerieten langsam aber sicher immer mehr in Vergessenheit. Selbst die offizielle Bekanntgabe der Auflösung im Jahre 1996 überraschte die wenigsten, daher ist es umso erstaunlicher, daß sich die Band vor wenigen Monaten wieder zurückmeldete und mit einem neuen Album namens Psychosphere aufwartete. Der Stil der Scheibe und das Line-Up offenbaren wenige stilistische Änderungen, und so schließt Psychosphere nahtlos am progressiv angehauchten Heavy Metal von Turn Of The Tide an. Doch halt - ein paar Veränderungen haben speziell im Privatleben von Frontmann Olaf Billic doch stattgefunden, was sich bei näherer Betrachtung auch in den Texten und der allgemeinen Atmosphäre der Scheibe bemerkbar macht. Aber lassen wir Olaf am besten selbst zu Wort kommen, um Klarheiten in die letzten 5 Jahre zu bringen ... 


? Hallo Olaf, lange nichts mehr von Euch gehört. Erzähl doch mal ... was ist zwischen 1991 (Turn Of The Tide) und 1999 passiert?
1994, als Turn Of The Tide gerade auf dem Markt war, sah alles erst einmal rosig aus. Wir hatten ein gutes Line-Up und waren fit für die Bühne. Leider ging dann alles steil bergab. GUN Records schafften es nicht,eine Tour für uns an den Start zu bringen und verloren sehr schnell das Interesse an uns. Ich weiß bis heute nicht, warum die uns überhaupt gesignt haben. Auf jeden Fall wurde das Verhältnis Band - Firma immer schlechter und auch unser Management zog sich immer mehr zurück. Wir waren durch das ständige Genörgel von GUN und Drakkar (Management) so entnervt, daß wir uns dazu entschlossen die Band zu stoppen. Wir wollten einfach erst einmal Abstand haben.

? Wie kam es zur HOUSE OF SPIRITS Reunion bzw. warum hast Du Dich eigentlich dazu entschlossen?
Als Jörg vor ein paar Jahren mit STRATOVARIUS in Südamerika auf Tour war, haben ihn unheimlich viele Leute auf HOUSE OF SPIRITS angesprochen und nachgefragt ob es uns noch gibt und so weiter. Das hat uns alle sehr beeindruckt, insbesondere weil wir offiziell nie in Südamerika veröffentlicht haben. Auf jeden Fall kam Jörg von der Tour zurück und hat uns alle erst einmal wieder zusammen getrommelt. Wir haben uns dann das alte Material noch einmal angehört und dachten, es sei viel zu schade, um irgendwo im Regal zu verschimmeln. Wir haben dann ein Demo aufgenommen und einige Plattenfirmen kontaktiert; schließlich wurden wir mit Century Media einig.

? Mit Martin Hirsch arbeitest Du ja schon seit JESTER`S MARCH Zeiten zusammen. Wie kam Benjamin Schippritt zur Band?
Als wir nach unserem Split wieder zusammen kamen war Uwe nicht mehr dabei und Benjamin hatte schon ein paar Soli und Rhythmusgitarren auf dem Turn Of The Tide-Album gespielt. Somit war er unsere erste Wahl, als es um einen neuen Gitarristen ging.

? Hattest Du auch mal daran gedacht, wieder mit Deinem Bruder zu reden, ob der nicht bei HOUSE OF SPIRITS einsteigen will? Wie geht's Michael überhaupt und ist der noch im Musikbuissiness aktiv?
Ich rede so oder so eine Menge mit meinem Bruder, aber uns beiden ist klar, daß wir musikalisch besser getrennte Wege gehen. Deshalb war er als Mitglied von HOUSE OF SPIRITS auch nie im Gespräch. Er hat sich aus dem Musikbusiness zurück gezogen und spielt nur noch in einer Coverband ... aber ansonsten geht es ihm gut.

? Kommen wir zu Psychosphere. Stimmst Du mir zu, daß dieses Album stilistisch in etwa an Turn Of The Tide anschließt?
Das kann man durchaus so sagen. Wir wollten allerdings von Anfang an keine stilistischen Experimente machen und haben mit Psychosphere unsere Richtung konsequent weiter verfolgt. Im Gegensatz zum Vorgänger ist das neue Album was die Sounds angeht allerdings moderner ausgefallen.

? Von den Themen her scheint mir Psychosphere um einiges düsterer zu sein als Turn Of the Tide. Liege ich da richtig?
Die Texte befassen sich alle mit psychologischen Aspekten und emotionalen Zuständen. In den Texten findest Du sowohl fiktives als auch Autobiographisches. Bei mir ist privat einiges geschehen in den letzten fünf Jahren und mit der Musik konnte ich mir einiges von der Seele schreiben.

? Das hört sich so an, als ob Du ein bißchen Deine Einstellung oder möglicherweise sogar Deine Persönlichkeit ein wenig verändert hast ...?
Wie schon erwähnt hat sich bei mir einiges getan, insofern hast Du schon recht. Ich habe mich nach langen Jahren von meiner Frau und meinen Kindern getrennt und führe nun ein vollkommen anderes Leben. Gott sei Dank sind wir nicht im totalen Streit auseinander gegangen, aber jede Trennung ist schmerzlich.

? Du hast mal gesungen: "The Day Might Bring The Light Of Hope" und "A Changing World For All To See". Eigentlich eine positive Grundhaltung, aber wie beurteilst Du die "Changing World" in Hinblick auf den Wahnsinn des kürzlich statt gefundenen Kosovo-Kriegs?
Als ich die oben genannten Zeilen geschrieben habe, hat noch niemand an die Kosovo-Krise gedacht. Ich denke, eine positive Grundhaltung ist nicht verkehrt und alle Kriege dieser Welt halten uns nicht davon ab zu leben. Also Krieg hin oder her, es wird und muß weitergehen.

? Wie beurteilst Du Psychosphere im direkten Vergleich mit Turn Of The Tide und den JESTER`S MARCH Platten Beyond und Acts?
Bei JESTER'S MARCH hatten wir gerade angefangen und waren noch ganz heiß darauf, allen möglichen Leuten etwas zu beweisen. Somit haben wir immer darauf geachtet, daß unsere Songs möglichst trickig waren, dabei haben wir die Songs selbst allerdings etwas aus den Augen verloren. Bei Turn Of The Tide haben wir uns dann mehr auf die Songs und auf Melodien konzentriert. Diesen Weg sind wir mit Psychosphere weitergegangen.

? Nimm's mir bitte nicht für übel, aber ich finde, daß HOUSE OF SPIRITS und auch JESTER`S MARCH immer das berühmte Tüpfelchen auf dem i gefehlt hat, um wirklich einen größeren Durchbruch zu schaffen. Dein Kommentar dazu?
Ich glaube, musikalisch hat uns eigentlich nie etwas gefehlt. Alles was wir gemacht haben hatte immer Hand und Fuß. Leider hatten wir immer Pech was unsere Touren anbelangte. Wir waren nie richtig live-präsent und ich bin mir ziemlich sicher, das war immer unser großes Manko.

? Wie geht's weiter mit HOUSE OF SPIRITS? Hast Du schon Pläne für ein neues Album oder für eine Tour? Und werdet Ihr live auch ältere JESTER`S MARCH Stücke im Programm haben?
Wir arbeiten schon am neuen Album und haben auch ein paar Nummern fertig, also braucht man nicht wieder fünf Jahre auf etwas neues zu warten. Mit dem touren hatten wir allerdings schon wieder Pech. Es war eigentlich geplant im April mit den PRETTY MAIDS auf Tour zu gehen, aber das hat leider nicht geklappt. Wir spielen jetzt im Sommer auf ein paar Festivals, unter anderem Wacken. Vielleicht ist dann im Herbst doch noch eine Tour drin. Und was jetzt die Playlist angeht: Du bist nicht der Erste der danach fragt, ob wir auch älteres Material spielen werden, aber eigentlich haben wir das nicht geplant. Vielleicht einmal die ein oder andere Zugabe, aber auch nur dann, wenn die Songs in unser aktuelles Set passen.
Wolfgang Volk (01.09.1999)