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Pallas
Welcome Back!
Interview mit Alan Reed (vocals) und Niall Mathewson (guitar)

PALLAS - eine Band, die so lange von der Bildfläche verschwunden war, daß man den Begriff PALLAS in letzter Zeit eher mit vor deutschen Nordseeinseln auf Grund gelaufen Tankern statt mit Progressiv Rock in Verbindung brachte. Ganze 13 Jahre hat die Funkstille gedauert - wahrlich nicht die Art von Unterbrechung, die Hans Meiser mit den saloppen Worten "Gleich geht's weiter - nach der Pause" ankündigen würde. In den Achtzigern waren sie einst DIE Mitbegründer der Neo Progressive Szene, zusammen mit Bands wie MARILLION, IQ und TWELFTH NIGHT. Das erste Studioalbum seit The Wedge (1986) heißt Beat The Drum, und wir wollen einmal hören, was der Hersteller selbst dazu, und natürlich zu seiner langen Abstinenz zu sagen hat ... 


? Ihr wart für ganze 13 Jahre weg vom Fenster, und lange, lange Zeit hat keiner aus dem Kreise der alteingesessenen Fangemeinde darauf zu hoffen gewagt, daß es jemals wieder ein Lebenszeichen von PALLAS geben würde. Also zunächst die drei obligatorischen Fragen: Wieso habt Ihr damals aufgehört, was habt Ihr in der Zwischenzeit so getrieben und was war letztendlich ausschlaggebend dafür, daß Ihr nach so langer Pause nun endlich wieder da seid ...?
Alan: Ich hatte die Band 1988 verlassen, weil ich aufgrund der damaligen Umstände erschöpft und frustriert war. Die anderen machten derweil noch weiter, und nach einiger Zeit zog es uns wieder zusammen, mit dem gemeinsamen Wunsch, wieder ein PALLAS-Album auf die Beine zu stellen. Aus verschiedenen Gründen hat es länger gedauert als wir dachten. In der Zwischenzeit haben wir uns alle mit anderen Dingen beschäftigt. Ich habe als Journalist und Produzent für BBC Radio und TV News gearbeitet, wodurch ich ein bißchen herumgekommen bin und Leute getroffen habe, die ich sonst wohl nicht getroffen hätte.
Niall: Wir als Band hatten das Gefühl, uns in den Wirren und Untiefen des Musik-Business verfangen zu haben, wir hatten sowohl musikalisch als auch persönlich keinen Spaß mehr daran. Die mißlichen Umstände haben damals sehr viel Schaden angerichtet und es hat eine lange Zeit gedauert, bevor das wieder halbwegs in Ordnung kam.

? Abgesehen vom moderneren Sound sind sich PALLAS trotz dieser langen Pause dem ureigenen Stil auf Beat The Drum weitestgehend treu geblieben. Würdest Du mir zustimmen, daß es genau da ansetzt, wo The Sentinel oder auch The Wedge seinerzeit aufgehört haben?
Niall: Ich finde, daß es die Stärken von The Sentinel und The Wedge in sich vereint, und was dabei herauskommt, ist unverkennbar PALLAS. Wir wollten auf keinen Fall ein Album herausbringen, das nur ein Aufguß dessen ist, was wir schon gemacht haben - es sollte eine Weiterentwicklung erkennbar sein. Ich glaube, das ist uns auch gelungen. Und gleichzeitig besitzt das Album die Würze und den Geschmack, den PALLAS ausmachen. So gesehen setzt es tatsächlich dort an wo wir damals aufgehört haben.

? Ist Beat The Drum das Endresultat einer 13jährigen Schaffenspause oder ist es über einen kürzeren Zeitraum entstanden?
Alan: Ein paar Songs gab es in der einen oder anderen Form schon eine ganze Weile. Ghosts, Man Of Principle und Hide And Seek waren ursprünglich für das gecancelte Voices In The Dark-Album geschrieben worden. Es gab eine Menge an anderem Material, daß wir im Laufe der Jahre komponiert und aus verschiedenen Gründen wieder verworfen haben. Während der letzten Monate haben wir viel neues Material geschrieben. Wenn ein Album beginnt Form anzunehmen, dann fallen einem bestimmte Dinge und Elemente ein, die es braucht, um komplett zu sein. Blood And Roses und Fragments Of The Sun fallen in diese Kategorie.

? Ihr habt vor der Veröffentlichung von Beat The Drum ein Free Tape mit Songs vom diesem Album verschickt. Wie war die Resonanz auf diese Aktion? War das ganze als kleine Entschädigung für die Fans gedacht, weil sich die Veröffentlichung der CD immer weiter verzögerte?
Alan: Das Tape war ursprünglich ausschließlich für die Besucher des Day Of Dreams-Festivals in Zwolle (NL) gedacht, das wir wegen Dereks bedauerlichen Unfalls im letzten Moment absagen mußten. Wir waren uns im Klaren darüber, daß die Leute skeptisch waren, ob wir überhaupt existieren, und dann noch mit einem neuem Album! Die Idee war, das Tape kostenlos an diese Leute zu verteilen - auch als eine Art Entschuldigung, und um sie wissen zu lassen, daß es tatsächlich neues Material gibt, auf das man sich freuen kann. Wir hatten noch Tapes übrig, also haben wir diese Tapes an die Leute verschickt, die über unsere Webseite Kontakt mit uns aufnahmen. Irgendwann mußten wir dann aber damit aufhören, weil es, als wir sogar noch zusätzliche Tapes herstellen mußten, dann doch ziemlich teuer wurde, allein von den Porto-Kosten her.

? Gab es im Laufe der Jahre eigentlich irgendwelche Solo-Projekte von PALLAS-Mitgliedern oder sind eventuell welche geplant?
Alan: Ich habe mit einem Freund von mir, der Gitarre spielt, an einigem Material herumgebastelt. Das ganze klingt aber völlig anders als PALLAS, es ist eher Akustik-Gitarren-orientiert. Aber dadurch habe ich die Chance, auch mal ein bißchen Gitarre und Keyboard zu spielen, wozu sich bei PALLAS nicht oft die Gelegenheit ergibt. Ich weiß nicht, ob wir unser Material je fertigstellen werden. Es scheint so, als wäre ich mit PALLAS im Moment sehr beschäftigt.

? Wirst Du beim nächsten STRANGERS ON A TRAIN-Album wieder mit von der Partie sein?
Alan: Clive Nolan hatte mich kontaktiert, und es sieht so aus, als ob ich wieder dabei sein werde, wenn ich nicht gerade zu beschäftigt mit anderen Dingen bin. Es hängt davon ab, ob wir beide im richtigen Moment die Zeit dazu haben.

? Am 3. Juni tretet Ihr zum ersten Mal in Deutschland auf (Offenbach, Hafenbahn). Wie kam es, daß Ihr nie zuvor ein Konzert hier bei uns gegeben habt?
Alan: Damals in den Achtzigern, als wir die ganze Zeit nur getourt haben, hat sich die Gelegenheit nie so direkt angeboten, bevor dann die Dinge in Bezug auf EMI schon begannen, mehr und mehr den Bach runterzugehen. Das heißt, wir hatten auch nicht das Geld um Konzerte im Ausland zu geben. Auf Tour zu gehen ist ein teures Geschäft, und ohne den Rückhalt einer Plattenfirma hatte es für uns wirklich keinen Zweck. Zu der Zeit waren MARILLION die einzige britische Band, die sich auch verstärkt aufs europäische Festland wagte. Später hatten wir zwar Angebote, aber die deckten sich nicht unbedingt mit unseren Plänen. Schließlich entschieden wir, daß wir keine weiteren Gigs mehr spielen wollten, bevor wir ein neues Album im Kasten haben. Tja, und jetzt ist es so weit. "Vielen Grussen Deutschland-!"

? Gibt es schon konkrete Pläne für eine Setliste ...?
Alan: Ich könnte es Dir erzählen, aber dann müßte ich Dich hinterher leider töten ... (lacht).

? Ihr wart damals in den 80ern bei EMI unter Vertrag und seid an Orten wie dem legendären Hammersmith Odeon oder auch dem Marquee aufgetreten, wart also eine wirklich angesagte Nummer im Prog-Biz. Wie schätzt Du die Chancen und Möglichkeiten von PALLAS in der heutigen Szene ein?
Alan: Wir haben vor, im Herbst Warm-Up-Gigs in der familiären Atmosphäre der Dortmunder Westfalenhalle und in der Münchener Olympiahalle zu spielen, bevor wir dann die etwas größeren Hallen in Angriff nehmen... Im Ernst, wer weiß das schon so genau? Wir waren eine ganze Zeit aus dem Rampenlicht verschwunden. Bisher sind wir durch die Reaktionen sehr ermutigt. Wir hatten befürchtet, daß uns die Leute vielleicht zwischenzeitlich vergessen haben, aber das scheint nicht der Fall zu sein.

? Ihr seid heute bei InsideOut unter Vertrag. Dort habt Ihr sicherlich wesentlich mehr Freiraum als damals bei EMI. Erzähl doch mal, wie es zu der Zusammenarbeit mit InsideOut Music kam ...?
Alan: Nachdem InsideOut von dem Album gehört hatten, kamen sie auf uns zu. Wir hatten uns so stark darauf konzentriert, das Album fertigzustellen, daß wir uns noch keine ernsthaften Gedanken über den weiteren Ablauf nach Fertigstellung gemacht hatten! Eine Reihe von Leuten nahm Kontakt mit uns auf und wollten mit uns arbeiten, aber am Ende gingen wir zu InsideOut, weil ihr Enthusiasmus aufrichtig war und sie offensichtlich zu wissen schienen, was sie tun. Bis jetzt sieht es gut aus.

? Wenn ich richtig informiert bin, war Euer erster Keyboarder und Gründungsmitglied Mike Stobbie in die Arbeiten zu Beat The Drum involviert. Jetzt erscheint in den Credits allerdings ein anderer für PALLAS-Fans altbekannter Name: Ronnie Brown. Wie kam es dazu?
Alan: Ronnie IST der PALLAS-Keyboarder. Er hatte sich 1987 für eine Zeitlang ausgeklinkt, kam dann aber wieder zurück. Mike war der ursprüngliche Keyboarder, und war die erste Wahl, um Ronnie zu ersetzen, falls Ronnie das Gefühl hätte, es nicht mehr tun zu können. Mike hatte während der letzten Jahre bei einer Reihe von Songs mit uns gearbeitet und war auch in die Vorproduktion einiger Tracks, die wir behalten haben, involviert. Trotzdem ist er nicht auf dem Album anzutreffen. Mike ist ein sehr beschäftigter Mann, außerdem lebt er in London, was es sehr schwierig macht, auf einer regelmäßigen Basis zusammenzuarbeiten. Ronnie hatte, um auszuhelfen, in Aberdeen zusammen mit den anderen angefangen zu arbeiten, aber letztlich machte es für ihn mehr Sinn, wieder ein festes Mitglied von PALLAS zu werden. Wir wünschen Mike alles Gute - möglicherweise haben wir in Zukunft wieder mal die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, denn er ist definitiv Teil der PALLAS-Familie. Aber es ist auch schön, Ronnie wieder zurück zu haben.

? Wie ist heute Euer Kontakt zu den anderen heute noch existierenden Prog-"Dinosauriern" aus den 80ern, z.B. PENDRAGON, IQ oder auch MARILLION?
Alan: Naja, nicht so übermäßig ... wir sind wohl nicht so oft draußen unterwegs. Ich traf vor kurzem Martin Orford von IQ, als er einen Auftritt mit JADIS hatte, und natürlich habe ich von Zeit zu Zeit mit Clive Nolan gesprochen. Aber im großen und ganzen haben wir im Laufe der Jahre den Kontakt zu unseren "Zeitgenossen" verloren. In Aberdeen zu leben bedeutet auch, daß wir im Grunde nie wirklich ein Teil der Show gewesen sind. Aber ich denke mal, daß wir sicherlich auf ein paar alte Freunde treffen werden, wenn wir wieder auf Tour sind.

? Habt Ihr irgendwann vor, das Sketches-Tape regulär auf CD zu veröffentlichen?
Alan: Ja und nein. Es gibt schon ein paar Songs für das nächste Album, an denen wir gerade arbeiten, und auch einige Ideen, wo das ganze hinführen soll. Sketches war von Anfang an nur als Momentaufnahme für die Fans gedacht, damit sie eine Vorstellung bekommen, woran wir zu einem bestimmten Zeitpunkt arbeiten. Außerdem läßt der Sound auch etwas zu wünschen übrig. Wir hoffen, daß wir mal die Gelegenheit haben, ein Album mit rarem und unveröffentlichtem Material herauszubringen. Darauf wären dann Songs aus sämtlichen PALLAS-Perioden enthalten, angefangen bei der 78er EP über Sachen wie Refugee und War Of Words. Auch ein Live-Album ist sehr wahrscheinlich.
Niall: Noch so eine Idee, von sehr angetan bin: Die Veröffentlichung von Sentinel 2 ... Aber bis dahin vergeht wohl noch einige Zeit.
Erik Gorissen (01.06.1999)
Weiteres zu Pallas:

- The Cross And The Crucible (CD-Check)

- The Wedge und The Sentinal (Re-Releases) (CD-Check)

- The Cross And The Crucible (Bericht)