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Asgard
Was lange währt, wird schließlich gut?
The next Asgard work will be "Drachenblut" – so konnte man vor 6 Jahren auf der bis dahin letzten CD Imago Mundi der italienischen Progger lesen. In relativ kurzer Zeit hatte man bereits vier Alben veröffentlicht, und eigentlich hätte es auch so weiter gehen können. Ging es aber nicht. Es wurde ruhig um ASGARD, und als bekannt wurde, dass Ausnahmesänger Chicco seinen Dienst quittierte um sich der Landwirtschaft zu widmen, hielten das viele für das endgültige Aus. Aber Totgesagte leben länger, und vor einigen Monaten nun ist Drachenblut dann doch erschienen. Und mögen die Profischreiber auch nörgeln, und mag der neue Frontmann nicht jedermanns Sache sein – in der Szene wurden sie mit offenen Armen empfangen. Ob das die Band auch so sieht, kann dem folgenden Interview mit Alberto Ambrosi entnommen werden, das Renald Mienert sowohl für die DURP (www.durp.com) als auch für das Jester's News führte. 


? Das mit den offenen Armen war aber nicht immer so – zumindest nicht überall in der Prog-Szene. Prog-Kalkofe Peter Huth, seinerzeit berühmt berüchtigter Empire-Kolumnist, formulierte seinerzeit "Du sollst keine ASGARD-Platten kaufen" ... ohne allzugroßen Erfolg allerdings, und auch die Band nahm die Sache eher gelassen ...?
Damals haben wir uns deshalb keine großen Sorgen gemach; es war nämlich klar, dass Peter Huth unsere Aussagen grob missverstanden hatte. Außerdem schrieb er, er hätte sich unsere Musik nur zwei Minuten lang gehört, dann wollte er überhaupt nicht mehr. Also der Typ muss irgendwie komisch sein: Man liest ein Interview und interpretiert es falsch, hört sich 2 Minuten Musik an, und schon schreibt er eine Kolumne und zieht schreckliche Schlussfolgerungen über eine Band, die er gar nicht kennt. So etwas ist einfach unglaubwürdig.

? An Peter Huth hat es also nicht gelegen, dass es mit Drachenblut einfach nicht vorwärts gehen wollte. Woran lag es aber dann wirklich?
Nach Imago Mundi sind wir vier mal umgezogen und haben drei Line-ups gewechselt. Ich habe sieben verschiedene Jobs ausgeübt, habe geheiratet und bin Vater geworden. Die Umstände waren also ein bisschen stressig! Trotzdem haben wir immer an Drachenblut gebastelt, aber jedes mal, wenn wir mit einer Besetzung einigermaßen fertig waren, sollten wir wieder umziehen und alles fing wieder von an! Ende 1993 hätten wir die Platte aufnehmen können, denn die Songs waren schon fertig komponiert. Doch im Laufe der Zeit, zwischen 1995 und 1998 haben wir ungefähr 40% der Musik geändert, ein paar Stücke haben wir durch neue Kompositionen ersetzt, und die anderen Songs mehrmals modifiziert und neu arrangiert.

? Wobei diese Umzüge die Band schließlich sogar nach Deutschland führten ...?
Kurz nach der Veröffentlichung von Imago Mundi ist etwas Unruhe in die Band eingetreten. Meistens bezog sich das auf persönliche Gründe: Chicco hatte Probleme in seiner Familie. Deswegen hatte er keine Zeit und Lust mehr, sich mit ASGARD zu beschäftigen. Wenig später hatte Max ein gewaltiges und problematisches Liebesverhältnis mit einer bekannten Musikerin und hat so sein Interesse für ASGARD komplett verloren. Zudem wollte Chris ohnehin ins Ausland umziehen, um den Dienst in der Armee vermeiden zu können, der ein Hindernis für ASGARD darstellte. Die Idee der Umsiedlung nach Deutschland war zwar damals schon aufgetaucht, aber Max und Chicco waren immer dagegen gewesen. Letztendlich sind wir, Chris und ich, nach Deutschland gezogen, und da wir hier einige unserer beste Freunde haben, war von vornherein klar, dass wir in Deutschland bleiben würden. Außerdem sind wir enthusiastische Liebhaber vom deutschen Bier. In Italien schmeckt es nämlich irgendwie anders (lacht).

? Das werden die meisten sicher bestätigen können, genau wie die Tatsache, dass Chicco ein begnadeter Sänger war. Nicht gerade ein leichter Job für den Nachfolger ...?
Ivo hat eine starke Persönlichkeit und besitzt eine gewaltige Stimme. Nur schade, dass er ausgerechnet bei der Aufnahme von Drachenblut krank war, was sich leider auf seine Leistung widerspiegelt hat. Er ist aber ein großartiger Sänger, und er wird live alle davon überzeugen.

? Nachdem die ersten Alben ja bei WMMS erschienen sind, entschloss man sich nun, ein eigenes Label Dragon’s Music zu gründen ...?
Durch ein eigenes Label hat man auf der einen Seite mehr Übersicht und Freiheit, auf der anderen Seite aber auch mehr Risiko und Verantwortung. Alles in allem ist es uns aber lieber so. Ich habe schon vor, anderen Bands zu einer besseren Resonanz zu verhelfen, doch leider kostet eine gute Produktion eine Menge Geld, daher wird es momentan nicht allzuviele Veröffentlichungen geben. Eine Deutsch-Österreichische Band (PROGRESSIVE-ROCK BASTARDS) habe ich bereits produziert, und über mein Label veröffentlicht. Ein paar deutsche Rezensenten haben sie zwar wegen des ehrlichen Sounds und des nicht ernsten Inhalt stark kritisiert, doch ich finde die Musiker und ihre Musik Klasse.

? Kommen wir noch einmal auf WMMS zurück – trotz vieler Veröffentlichungen gab es ja auch immer wieder kritische Stimmen zu diesem Label ...?
Es gibt einige Musiker, die sich über Peter Wustmann (ehemaliger Kopf von WMMS) beschweren, es darf aber nicht vergessen werden, dass sie ohne WMMS kaum einen anderen Plattenvertrag bei Null Prozent Kostenbeteiligung hätten kriegen können! All diese Kritiker von Peter haben es ja allein seinem Vertrauen zu verdanken, dass sie eine Chance bekommen haben, ein breiteres Publikum anzusprechen.

? Bei den doch recht massiven Wechseln im Line Up hätte man ja unter Umständen einen neuen Bandnamen in Erwägung ziehen können ...?
Nein, der Bandname stand nie zur Debatte. Abgesehen von zwei kurzen A-Gitarre Stücken von Max, stammen auf allen ersten CDs Texte und Musik - inklusiv aller Gesangsmelodien und vieler Gitarrensoli - von mir. Den Bandname war auch meine Idee, und Chris ist immer derjenige gewesen, der alle Graphik- und Managementarbeiten für die Band geleistet hat. Die alte Mitglieder haben damals mit ihren gefühlvollen Interpretationen prima zu ASGARD beigetragen, und ich werde ihnen dafür ewig dankbar sein, aber ich sehe darin keinen Grund, um auf den Name ASGARD verzichten zu müssen: Wir sind ASGARD!

? Und zu ASGARD gehören nun einmal ein dauerhaftes Logo und eine Vorliebe für Runen ...?
Ich bin von den Runen voll fasziniert. Sie sind uralte Zeichen, laut unseren europäischen Vorfahren enthält jede Rune gleichzeitig eine Zauberkraft, ein philosophisches Prinzip, eine Gottheit und ein Element aus der Naturwelt. Zudem steht jede Rune in Einklang mit einem Heilkraut, einem Metall, einer Konstellation u.s.w. Praktisch vereinigten diese Zeichen alle verschiedene Fächer der damaligen Wissenschaft, von Heilkunde bis hin zu Astronomie. Jedes Album von ASGARD besitzt einen eigenen Charakter, und steht deshalb in Einklang mit einer gewissen Rune. Das hat weder mit Politik, noch mit billigen Esoterik zu tun. Als Musikfan bin ich jedes mal enttäuscht gewesen, wenn meine Lieblingsbands ihre Logos änderten: Logo und Symbole sind für eine Band wie der Personalausweis für einen Mensch. Ich finde es albern, wenn eine Band unter dem Vorwand der Weiterentwicklung ihr Logo oder gar ihre Musikrichtung ändert. Meistens handelt es sich dabei um Versuche kommerzieller zu werden, glaube ich jedenfalls. Weiterentwicklung und Beständigkeit sind meiner Ansicht nach keine Gegensätze, sondern können ruhig zusammenleben.

? Bei eurer Vorliebe für Deutschland ist es schon erstaunlich, dass der ASGARD-Fanclub in Übersee beheimatet ist ...?
Es hat sich einfach so ergeben, als Mr. James Unger aus Pickering, Ontario uns anrief, und sagte, er sei ein großer Fan von ASGARD, und es gäbe noch viele ASGARD-Fans in Nordamerika. Ich wusste davon gar nichts, und war natürlich begeistert. Er schlug vor, einen Fanclub zu gründen, und ich hatte natürlich nichts dagegen.

? Thematisch bedient auch Drachenblut wieder all diejenigen Fans, die sich mit Vorliebe in Fantasy und Sagenwelten beschäftigen ...?
Man braucht nur sich umzuschauen: Im Heavy-Metal Bereich gibt es jede Menge erfolgreicher Bands, deren Texte diese Themen behandeln. Es gibt eine Vielzahl von Rollenspielen, Comics und Videogames, in denen sich alles um Könige, Königinnen, Ritter, Zauberschwerte und Drachen dreht. Ich finde das auch ziemlich cool, aber andererseits versucht ASGARD, das Kitschige zu vermeiden.

? Was der Band auch durchaus gelungen ist, wovon man sich demnächst auch live überzeugen kann ...?
Wir planen gerade eine Tour für Ende Oktober/Anfang November. Wir werden in Polen, Holland, Italien, Österreich, Frankreich und natürlich in Deutschland auftreten: Dort erwarten wir euch alle, um ein Bierchen zusammen zu trinken!

? Auf das Angebot komme ich gerne zurück, hoffe aber vor allem, nicht wieder so lange auf ein neues Album von ASGARD warten zu müssen. Der Titel jedenfalls steht ja mit Ragnarokkr schon fest, ist das richtig?
Zunächst entsteht bei uns auf jeden Fall das Konzept, später folgen Musik und Texte, entweder alte Ideen, oder - immer öfter - brandneue Kompositionen. Allein mit den alten Ideen, die ich auf Kassetten aufgenommen habe, könnten wir gleich zehn Alben herausbringen. Und es kommt fast jeden Tag etwas neues hinzu. Auf der einen Seite wollen wir unsere Kreativität freien Lauf lassen und alle musikalischen Grenzen sprengen, auf der anderen Seite können wir unsere Vorbilder und Einflüsse nicht verleugnen. Außerdem gehören diese besondere Atmosphäre nach wie vor zu unserer musikalischen Seele, es könnte schon mal passieren, dass wir noch eine CD wie Esoteric Poem veröffentlichen werden.

Naja, lassen wir uns überraschen – und hier noch die Kontaktadresse:
Dragon's Music, Am Forstamt 18, 83486 Ramsau Tel/fax 08657/919957 e-mail: dragmus@web.de
Renald Mienert (15.01.2001)
Weiteres zu Asgard:

- Drachenblut (CD-Check)