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Shadow Gallery
Legacy
Mit ihrem vierten Album Legacy beweisen SHADOW GALLERY wieder einmal, dass sie zu der raren Spezies von Musikern gehören, die ohne größere Experimente konsequent ihrem Stil treu geblieben sind, und als Folge dessen eigentlich immer gute bis sehr gute Alben abgeliefert haben. Und auch auf Legacy entfacht das Progressive Metal/Rock-Sechstett aus Pennsylvania ein musikalisch spannendes Feuer, das einigen artverwandten Bands mit ihren letzten, mäßigen Veröffentlichungen mächtig Feuer unterm Hintern und ein sorgenvolles Oberstübchen bereiten dürfte. Mit ihren drei bisherigen, für die Progressive Metal Szene unumstritten trendweisenden und innovationsgetränkten Alben, haben sich SHADOW GALLERY im Laufe der Jahre in die Herzen dieses besonders anspruchsvollen Klientels gespielt. Hier regieren keine 08/15-Songstrukturen mit einer Luschenspielzeit von drei oder vier Minuten, sondern hier erzählt jeder Song eine Geschichte, und jeder einzelne überrascht immer wieder aufs neue mit gespickten Raffinessen. Im Kreis ähnlich orientierter Bands haben die sechs Mannen um Sänger Mike Baker etwas geschafft, was den meisten Bands auch in jahrelangem Bestehen verwehrt bleibt: sie haben nämlich ihren eigenen Sound kreiert, der unverfälscht den SHADOW GALLERY Stempel trägt und auch ohne Umschweife genau zu erkennen ist. SHADOW GALLERY sind schon seit Beginn ihres Bestehens immer eine Band gewesen, welche die selbst auferlegte hochgelegene Messlatte im Prinzip immer erreichen konnte, wenngleich das phänomenale Debütalbum mit den anschließenden Veröffentlichungen nie mehr erreicht wurde. 

Kurzer Rückblick:

Mike Baker (Vocals) und Carl Cadden-James (Bass, Vocals, Flöte) verdienten sich in den Achtzigern die ersten Sporen bei der Band SORCERER. Angefangen haben sie mit Coversongs von MALMSTEEN und RUSH, welche damals schon sehr anerkannt waren und an deren Songs sich wegen hoher musikalischer Ansprüche nicht allzu viele Musiker heran trauten. Die ausgeprägten Fähigkeiten der Jungs gingen nicht spurlos am Label Magna Carta vorüber, welches im Sommer 1991 nicht lange fackelte, um einen Vertrag zu zücken. Zwei Jahre später stieß Gitarrist und Keyboarder Gary Wehrkamp hinzu und SHADOW GALLERY wurde ins Leben gerufen.
Das selbstbetitelte '93er Debüt rief einen Freudenschrei der damals noch mitten in der Entwicklung stehenden Prog Metal Szene hervor und brachte zusammen mit MAGELLAN eine neue US-Progbewegung erst richtig in Schwung. 1995 rollte dann der (leicht DREAM THEATER beeinflusste) Zweitling Carved In Stone an und bescherte der SHADOW GALLERY Lobeshymnen sowohl seitens des Publikums als auch der Presse. Der epische Sound und die filmähnliche Struktur des Albums spielte sich demzufolge ebenfalls in die Herzen der progressiven Fangemeinde, die das Werk mit Begeisterung aufnahm.
1998 folgte das Konzept-Langeisen Tyranny, welches die Band erneut in Höchstform präsentierte und genau wie die beiden Vorgänger auch heute noch in Progressive Metal Kreisen als Topalbum gehandelt wird. Für Tyranny konnten SHADOW GALLERY übrigens James LaBrie von DREAM THEATER (I Believe) und D.C. Cooper von ROYAL HUNT (New World Order) als Gastmusiker verpflichten.

Legacy:

Aber genug in alten Erinnerungen geschwelgt, denn der neue Longplayer Legacy braucht sich hinter dem zweiten und dritten Output nicht zu verstecken. Legacy tritt vielmehr genau in die Fußstapfen seiner Vorgänger und setzt sogar noch einen drauf, was die technischen Spielereien angeht. Teilweise erinnern die Jungs diesbezüglich sogar an DREAM THEATERs Mittelteil von Metropolis, und das will ja nun wahrlich etwas heißen. Wieder sind die Amerikaner ihrem Stil treu geblieben und wieder mal werden technisch progressiv-anspruchsvolle Maßstäbe neu definiert. SHADOW GALLERY schließen nach wie vor eine Lücke in der heutigen Musikszenerie und zelebrieren einen Sound, der von vielen geliebt und doch von so wenigen gespielt wird. Die Hauptmerkmale des SHADOW GALLERY Sounds sind auf dem neuen Longplayer in vollster Ausprägung vertreten: wunderbare Pianokompositionen, facettenreiche und betörende Gesangslinien und ein Melodienspektrum, welches schon nach dem ersten Durchlauf in der Schädeldecke kleben bleibt. Herausragend für den Charakter des Sechstetts sind auch heute noch die unüblichen Harmonien in den Vocals, die aber zu keiner Zeit den Gesamtsound dominieren oder gar überspielen. Alle Elemente sind am rechten Platz: variantenreiches Songwriting, brillante musikalische Umsetzung durch geniale Musiker, exzellente Melodiebögen und phantastische Chöre. Kurz gesagt: alle herausragenden Eigenschaften des melodischen Progressive Metals sind auf Legacy vereint und werden mit Stil und Eleganz in Szene gesetzt. Last not least noch eine gutgemeinte Warnung für alle Musiker, die sich an die Songs heranwagen möchten: sofern Ihr labil oder gar suizidgefährdet sein, solltet Ihr Euch von dem Werk fernhalten, denn was die sechs Herrschaften auf ihren Instrumenten auf Legacy zelebrieren, treibt selbst dem geübten Tonkünstler Tränen des Neids und der Verzweiflung in die Augen und lässt eine Frage immer wieder in den Gedanken hervorblitzen: "Warum, verdammt, habe ich soviel Zeit damit verbracht, fit an meinem Instrument zu werden und kann immer noch keinen einzigen Song von SHADOW GALLERY spielen?". Kurz und bündiges Fazit: sechs Songs, gepackt in 72 Minuten High Quality Prog der allerersten Güteklasse!



LINE UP:

Brendt Allman - Guitar, Acoustic Guitar, Vocals
Mike Baker - Lead and Backing Vocals
Carl Cadden-James - Bass, Vocals, Flute
Chris Ingles - Keyboards
Joe Nevolo - Drums
Gary Wehrkamp - Guitars, Keyboards, Vocals, Bass, Sound Effects


Discography:

1992 - Shadow Gallery
1995 - Carved In Stone
1998 - Tyranny
2001 - Legacy
Wolfgang Volk (16.07.2001)
Weiteres zu Shadow Gallery:

- Legacy (CD-Check)

- Room V (CD-Check)